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Zeitansage

Als Zeitansage wird eine telefonische Telekommunikationsdienstleistung bezeichnet, die ständig zur Verfügung steht und die Bürgerliche Zeit auf Zehntelsekunden genau übermittelt.
Bis zum Jahr 2005 war die Zeitansage in der Bundesrepublik Deutschland unter der Telefonnummer 01191 erreichbar, davor musste man die 0119 wählen. Nach der Schließung der Rufnummerngasse 011 durch die Regulierungsbehörde (RegTP) wurde die Rufnummer der Zeitansage auf 01804 100100 geändert. Der Tarif für die Anwahl beträgt aus den meisten deutschen Festnetzen 0,20 € pro Anruf.
Die telefonische Zeitansage wurde in der damaligen Weimarer Republik im Jahr 1928 eingeführt. In den 60er Jahren, bis in die 80er Jahre des letzten Jahrtausends hinein, hatte die Zeitansage die Rufnummer 119 und war mit circa 600.000 Anrufen täglich die am häufigsten gewählte Telefonnummer in der BRD.
Sie bescherte deutschen Bundespost, dem Vorgänger der heutigen Deutschen Telekom AG, Einnahmen von etwa 50 Mio. DM jährlich.
In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war die Zeitansage unter der Telefonnummer 019 erreichbar.

Zeitansagegerät „Eiserne Jungfrau" der Deutschen Reichspost, 1937
Zeitansagegerät „Eiserne Jungfrau" der Deutschen Reichspost, 1937

Zu Anbeginn der Zeit, als die Gespräche noch von Hand und meistens von sehr freundlichen Damen vermittelt wurden, viel den Beamtinnen im Fernsprechamt auch die Aufgabe zu, dem Teilnehmer auf Wunsch die Uhrzeit anzusagen.
Die Uhrzeit wurde dann einfach von der Wanduhr abgelesen und dem Anrufer mitgeteilt.

Die Geburtsstunde der Eisernen Jungfrau war am 04. 11.1937. Sie ersetzte das damalige „Fräulein vom Amt“ und war fortan die erste mechanische Zeitansage.

Denn nach der damals gültigen Personalabbauverordnung von vom 27.10.1923 durften für den Vermittlungsdienst nur ledige Beamtinnen eingesetzt werden. Die Verordnung für die Herabminderung der Personalausgaben des Reiches legte die Entlassung von Beamtinnen im Falle der Eheschließung fest. Diese Eigenschaft war damals gleichbedeutend mit der Jungfräulichkeit.
Dadurch erhielt die Zeitansagemaschine sehr schnell Ihren Spitznamen.

Ab 1920 wurden Zeitansagen auf die damals üblichen Tonträger wie zum Beispiel Grammophonplatten oder Tonbänder gesprochen, doch unterlagen zum damaligen Zeitpunkt die Abspielgeschwindigkeiten auf Grammophonen beziehungsweise Tonbandgeräten bauartbedingten Schwankungen.
Aus diesem Grund war diese Technik für eine genaue und auch kommerziell nutzbare Zeitansage nicht zu gebrauchen.
Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde eine zuverlässige automatische Zeitansage durch eine Kreuzung zwischen Uhr und Diktaphon möglich: Mechanische später quarzgesteuerte Uhren steuerten die mit magnetischen Tonabnehmern ausgestatteten Tonarme von Plattenspielern.
Da die  Mechanik hochkompliziert und der Abnutzungsgrad enorm waren, waren solche Zeitansagesysteme sehr wartungsintensiv.  

Flash ist Pflicht!

Wie die Zeitansage im Jahr 1978 funktionierte und welche Technik damals verwendet wurde, zeigt dieser kurze Beitrag aus der zeitlosen Fernsehsendung "Die Sendung mit der Maus".